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Am Samstag hat Schalke 04 den 1. FC Magdeburg zu Gast, und auch in unserem Freitagsbeitrag dreht sich (fast) alles um das Spiel und den Verein aus Sachsen-Anhalt: Freitagsfragen an einen FCM-Podcaster, ein TausendFreunde-Gastauftritt im FCM-Podcast zum Spiel und die bemerkenswert ehrfürchtige Kommunikation der Schalker Protagonisten. Außerdem gibt’s noch mehr Hörbares mit TausendFreunde-Beteiligung, sofort und demnächst.

Freitagsfragen an Alex Schnarr: Wie ist der Aufschwung des FCM zu erklären?

04 offene Fragen zum Gegner, zum Spiel: Die Freitagsfragen gingen diesmal an Alexander Schnarr. Alex ist einer der zwei Macher des FCM-Podcasts Nur der FCM!.

Nach dem Aufstieg aus der 3. Liga tat sich Magdeburg in der Zweiten Liga zunächst schwer. Nach der Hinrunde stand man mit nur 17 Punkten auf einem Abstiegsrang und auch der Rückrundenauftakt in Düsseldorf ging noch verloren. Danach folgte aber eine tolle Rückrunde mit 26 Punkten aus 16 Spielen und ein letztlich souveräner Klassenerhalt. Zu dieser Saison zündete dann die nächste Stufe: Magdeburg ist noch ungeschlagen, das ist ansonsten nur noch der Hamburger SV. Magdeburg hat schon 13 Treffer erzielt – auch das im Gleichschritt mit dem HSV, kein Team erzielte mehr. Magdeburg gehört nun zur Spitzengruppe der Liga. Was hat sich in dieser Zeit verändert, wie ist diese Steigerung zu erklären?

Alex Schnarr

Ich denke, in allererster Linie über eine Weiterentwicklung beim Trainerteam. Die Spielidee von Christian Titz ist ja, sehr verkürzt gesprochen, hoch zu stehen, viel Ballbesitz zu haben, sich vor das gegnerische Tor zu spielen und dann dort Abschlüsse herauszuspielen. Sprich: Titz lässt sehr offensiv und eher flach als hoch und weit spielen, und problematisch war in der Hinrunde der letzten Saison vor allem die Balance zwischen Defensive und Offensive. Hier hat der Trainer entsprechende Anpassungen vorgenommen, ohne vom grundsätzlichen Ansatz abzuweichen. Hinzu kamen Verpflichtungen in der vergangenen Winterpause, die zur defensiven Stabilisierung beigetragen haben, namentlich Cristiano Piccini und Daniel Heber. Naja, und dann muss man mit Blick auf die aktuelle Spielzeit sagen, dass wir auch ziemlich gut reingekommen sind und bei der einen oder anderen Partie in den wichtigen Situationen das entsprechende Spielglück hatten. Das in Kombination mit einer klugen Verstärkung des Kaders im Sinne der Titzschen Idee führt nun eben zum aktuellen Tabellenplatz, auf dem wir meines Erachtens auch verdient stehen. Wenn das so weitergeht, könnte das noch eine sehr interessante Saison werden.

Wie, denkst Du, wird der FCM das Spiel auf Schalke angehen, welchen Gegner hat S04 zu erwarten?

Vermutlich so, wie alle anderen Spiele auch: Der FCM wird den Ball haben wollen, gegen einen spielerisch sehr starken Gegner aber auch auf Umschaltmomente setzen. Was Ihr ziemlich sicher nicht sehen werdet, ist eine Gastmannschaft, die sich nur hinten reinstellt.

Welcher Spieler muss Deines Erachtens unbedingt in der Startelf stehen, sollte nie ausfallen und warum ist das so? Und wer ist das größte Talent im Team?

Das wäre Baris Atik, weil er Kopf und Herz unseres Offensivspiels ist. Auch wenn er in dieser Saison noch auf seinen ersten Treffer wartet, ist er Dreh- und Angelpunkt des Spiels, arbeitet unheimlich viel, legt auf oder spielt den Assist und wird natürlich von der Mannschaft immer wieder gesucht. Ein anderer Spieler, der sich aktuell unverzichtbar macht, ist aus meiner Sicht Neuzugang Jean Hugonet, der als Verbindungsspieler im Mittelfeld die Fäden zieht und bisher sehr zu gefallen weiß.
Die größten Talente mit Blick auf die zu erwartende Startelf sind vermutlich aktuell Luca Schuler und Jason Ceka, die beide ja auch auf Schalke keine Unbekannten sein dürften. Wir sind jedenfalls froh, sie jetzt in unseren Reihen zu wissen.

Was soll passieren, dass es für Dich persönlich ein guter Abend wird, was wünschst Du dir?

Na auf jeden Fall ein friedliches (!) Fußballfest mit dem besseren Ende für die Größten der Welt, also den 1. FC Magdeburg. Die Tickets für den Gästeblock waren innerhalb von wenigen Minuten weg, hier freut man sich sehr auf den Auftritt und wird natürlich versuchen, auch akustisch ein paar Akzente zu setzen. Sportlich müssen wir uns aktuell – bei allem Respekt für Schalke – in der Liga vor niemanden verstecken, sodass eigentlich alles bereit ist für einen schönen, spektakulären Fußballabend.

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Die Pressekonferenz des FC Schalke 04 vor den Spiel gegen Magdeburg

Wie Thomas Reis den Fußball seiner Mannschaft sieht

Gerald Asamoah hatte im Vorfeld gesagt, dass Schalke gegen Magdeburg kompakt stehen und »kein Halligalli« spielen wolle. Dass es »erst mal um Sicherheit« gehe, weil die Fans im eigenen Stadion unruhig würden, wenn man ein Gegentor kassiere. Ob Thomas Reis das auch so sehe, wurde er gefragt. Er sei mit Asamoah ständig im Austausch, sagte er, und manchmal sei es auch so, dass Dinge ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen würden. Im Anschluss beschrieb er, wie er den Fußball seiner Mannschaft sieht:

»Wir wissen, was uns auszeichnen kann. Dass in der Defensive Kompaktheit da ist. Dass wir in die Zweikämpfe kommen. Dass wir es dem Gegner schwer machen. Dass wir gut auf die zweiten Bälle gehen. Das hat in Wiesbaden schon ordentlich geklappt und das ist das, wie wir weiter Fußball spielen wollen.

Wir wissen selber, dass wir in der Offensive weiterhin „Bedarf“ haben, dass wir auch mutig sein müssen. Aber das bedeutet in erster Linie auch, dass wir erst mal den Ball bekommen müssen. Deswegen wollen wir möglichst gute Ballgewinne haben. Dann ist es egal, ob wir über spielerische Elemente oder über gutes Umschaltspiel zum Erfolg kommen, wie wir das Tor in Wiesbaden zustande gebracht haben. Das sind die Mechanismen, die wir in jedem Training zu verbessern versuchen.«

FCM-Trainer Christian Titz

Wie Thomas Reis den Fußball des 1. FC Magdeburg unter Christian Titz sieht

Der 1. FC Magdeburg hatte im letzten Spiel einen offensiven Schlagabtausch gegen Hertha BSC mit 6:4 gewonnen. Dabei habe Magdeburg für ein Spektakel gesorgt, wie er denn den Gegner erwarte, wurde Thomas Reis in der Pressekonferenz gefragt. Darauf hin beschrieb er, wie er den Fußball des FC Magdeburg unter Trainer Christian Titz sieht.

»Magdeburg steht für Spektakel, sie haben einen Trainer, der die spielerische Komponente sehr in den Vordergrund stellt. Eine Mannschaft, die jedes Mal hinten rausspielen möchte. Sie sind sehr mutig, teilweise risikobehaftet, aber wenn man sie spielen lässt, finden sie immer wieder Räume. Sie haben ein gutes Umschaltspiel und sind in der Offensive sehr variabel. Eine Mannschaft, die den Ball selten lang spielt; wie gesagt, die spielerische Komponente steht im Vordergrund.«

Was sich der Fan dabei wünscht: Das Halligalli der Anderen

Kein Halligalli auf der einen Seite, Spektakel auf der anderen. Erst mal den Ball bekommen und dann mal so oder so bei den einen, die Spielerische Komponente im Vordergrund und jedes Mal hinten rausspielen wollen bei den anderen. Wie Thomas Reis da zwei Herangehensweisen beschreibt, könnte unterschiedlicher kaum sein. Mein Problem dabei: Ich wünschte, mein Verein wären die Anderen, wir sind aber die Einen!

Ich wünschte, andere Trainer sprächen über Spektakel auf Schalke. Ich wünsche mir die Spielerische Komponente im Vordergrund des Spiels der Blauen. Ich wünsche mir mehr Spiel mit Ball, mehr agieren als reagieren. Ich wünschen mir mehr Lust aufs Gewinnen als Angst vor dem Verlieren!

Nun läuft’s gerade schlecht, auf Schalke. Da wirkt schnell alles, was anders ist, attraktiver als das eigene Tun. Zwei Siege später ist alles halb so wild, gibt’s weniger Gemecker. Wer gewinnt hat recht, und Fußball ist oft auch ein arg zufälliges Spiel. Ich bin weit davon entfernt, den 1. FC Magdeburg nun als das große Vorbild schlechthin darzustellen. Schalke muss nicht kopieren. Aber Magdeburg holt aus seinen Möglichkeiten mit einer mutiger Herangehensweise bemerkenswert viel Ertrag, während Schalke 04 seit Jahren nur vom Kämpfen spricht: Von wuchtigen Stürmern, von Aggressivität. »Das Fundament unseres Spiels ist unsere Einstellung«, steht im Sportkonzept, und wie das Konzept kommt auch das Spiel auf dem Platz in den meisten Fällen kaum darüber hinaus.

Aber Wille und Kampf macht Schalke nicht besonders. Das wollen, das können, das tun alle. Schalke 04 braucht Halligalli! Eigenes Halligalli, guten Fußball als Merkmal! Stets nur zu hoffen, den Anderen ihr Spiel schon kaputtkämpfen zu können, wird diesen Verein nicht wieder erfolgreich machen.

Hörbar 1: Thorsten zu Gast im FCM-Podcast

Der Alex von den Freitagsfragen oben hat mit seinem Podcast-Kumpel Thomas am Mittwoch Folge 298 des FCM-Podcasts Nur der FCM! aufgenommen. Dabei ging es zu einem gehörigen Teil um Schalke 04 und zu Gast war Thorsten Kirstein, unser Thorsten mit h aus dem TausendFreunde-Team. Zu Dritt kamen sie auf stolze 2:33 Stunden Aufnahme. Für auswärtsfahrende Magdeburger, die ja eine Weile unterwegs sind, aber auch für Schalker; Anpfiff ist ja morgen erst um 20:30 Uhr …

Episode 330: Selbstbesoffen Nur der FCM! – Der Podcast

Hörbar 2: Corny und Torsten zu im Retrospiel-Podcast

Im Podcast Retrospieltag geht es um Fußball-Historie. In ganz unterschiedlichen Formaten wird in den mittlerweile 74 Episoden mal auf eine Saison-Hin- oder Rückrunde eingegangen, mal eins der großen Länderturniere besprochen oder die Historie eines bestimmten Clubs betrachtet. Ein solches Club-Spezial gibts nun zum FC Schalke 04, und Corny und ich durften dazu zu Gast sein!

In insgesamt drei Folgen sprechen wir über Schalke ab dem Jahr 2000 bis heute. Die hier dargestellte Folge #74 umfasst die Jahre 2000 bis 2009 und erschien letzte Woche Freitag. Im Laufe des heutigen Tages erscheint die Folge zu den Jahren 2010 bis 2019. Die Zeit von 2020 bis heute wird in der dritten Spezial-Folge betrachtet, die am kommenden Freitag abzurufen sein wird. Für mich war die Aufnahme ein langer Abend über »meine Schalke-Zeit« und ein großer Spaß! Ich hoffe das kann man in den Aufnahmen hören.

Retrospieltag #74 – FC Schalke 04 – Spezial I (x Tausend Freunde) Retrospieltag

Und sonst auf Schalke?

Ansonsten spielt noch die U19 von Norbert Elgert ein Heimspiel. Am 5. Spieltag der Junioren Bundesliga West ist die U19 des SC Paderborn. Anstoß ist am Samstag um 11:30 Uhr im Parkstadion.

Bild: IMAGO

One Comment

  • Alex sagt:

    Kann dir nur zustimmen, Torsten.
    Und alljährlich grüßt das Murmeltier: wir trainieren in der Vorbereitung ein schönes Spielsystem und stellen dann in den ersten Spielen fest, dass es überhaupt nicht funktioniert… und dann heißt es wieder: kompakt stehen, über den Kampf ins Spiel finden, der Fan will das so…
    Nun ist die Mannschaft wieder mal komplett umgekrempelt worden, und wir wollen nicht ungeduldig sein. Aber ehrlich, ich würde auch gern mal eine Schalker Mannschaft sehen, die spielerisch erfolgreich sein kann!

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